{"id":664,"date":"2023-06-01T04:35:53","date_gmt":"2023-06-01T04:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/?p=664"},"modified":"2024-08-30T05:42:12","modified_gmt":"2024-08-30T05:42:12","slug":"deutsche-deckungsloecher-und-amerikanische-foxholes-am-kall-trail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/?p=664","title":{"rendered":"Deutsche Deckungsl\u00f6cher und amerikanische Foxholes am Kall-Trail | German cover holes and American foxholes on the Kall Trail"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Historisch-literarischen Wanderwegen, die Achim Konejung vor l\u00e4ngerer Zeit entwickelt hatte, sind auf dem Wanderweg 4 \u201eKall-Trail\u201c Deckungsl\u00f6cher verzeichnet, die auf der Strecke vom Kalltal nach Schmidt und Kommerscheidt zu sehen sind. Weitere Deckungsl\u00f6cher befinden sich auch am Kall-Trail von Vossenack bis hinab zur Kall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolfgang Wegener, inzwischen pensionierter ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter des LVR hat zu den Deckungsl\u00f6chern in einem Buch \u00fcber \u201eH\u00fcrtgenwald \u2013 Perspektiven der Erinnerung\u201c angemerkt: \u201eIm Zuge der Erfassung konnten anhand der erhaltenen Befunde des Stellungsbaues deutlich die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Bautechniken festgestellt werden, was bei der Identifizierung und Zuordnung vorgefundener Relikte behilflich war. Auffallend ist bei den US-Feldstellungen das vollst\u00e4ndige Fehlen von Deckungsgr\u00e4ben. Auch sind die deutschen Sch\u00fctzenl\u00f6cher kreisrund und tief in die Erde gegraben, w\u00e4hrend die Foxholes rechteckig und wesentlich flacher sind. Charakteristisch sind die unterschiedlichen Formen dieser Foxholes. Je nach Gr\u00f6\u00dfe wird unterschieden nach one-man- bis hin zu four-men-foxholes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch ist heutzutage, dass vor der kompletten Reformation des Internationalen H\u00fcrtgenwaldmarsches Reenactment-Akteure Deckungsl\u00f6cher am Kall-Trail zum Teil zerst\u00f6rt oder auch selbst gebuddelt haben. Sie haben damit gegen den Bodendenkmalschtz versto\u00dfen und h\u00e4tten von der Gemeinde H\u00fcrtgenwald angeklagt werden sollen. Die Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck, die ein mehrj\u00e4hriges Forschungsprojekt zu der Konfliktlandschaft H\u00fcrtgenwald durchgef\u00fchrt hat, hat sich darin auch zu den \u201edramatischen Zerst\u00f6rungen von Bodendenkm\u00e4lern\u201c ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<strong>Die K\u00e4mpfe erstreckten sich \u00fcber ein Gebiet von mehr als einhundert Quadratkilometern und haben Gewaltorte und eine Landschaft hinterlassen, in die Spuren des Krieges bis heute eingeschrieben sind. Als \u201cSchlachtfeld\u201d bleibt der H\u00fcrtgenwald zugleich gepr\u00e4gt von einer weitgehend revisionistischen Erinnerungskultur, die wenig differenziert mit dem historischen Kontext und wenig kritisch mit Gewalt, Krieg und Milit\u00e4r umgeht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie bildet den N\u00e4hrboden f\u00fcr die Praktiken der Raubgr\u00e4ber\/innen, die auf dem \u201aSchlachtfeld\u2018 Troph\u00e4en suchen, die Praktiken der Re-enactor, die glauben, Geschichte durch das Nachspielen der Gewalt am Schauplatz zu verstehen oder an der Aura eines \u201aSchlachtfeldes\u2018 zu partizipieren, die gro\u00dfe Beliebtheit, der sich Orte wie das Grab des Nazi-Generals Walter Model bei militaristisch und rechtsextrem eingestellten Besucher\/innen der Region erfreuen, oder regelm\u00e4\u00dfige Kundgebungen, die einer unkritischen und revisionistischen Heldenverehrung Vorschub leisten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letztgenannten Ph\u00e4nomene befeuern vor allem eine fehlgehende Bedeutungsaufladung des \u201aSchlachtfeldes\u2018. Damit eng verwoben haben sich die Aktivit\u00e4ten von Raubgr\u00e4ber\/innen und Re-enactor-Gruppen nicht allein zu wesentlichen Faktoren eines verfehlten Zugangs zur Geschichte entwickelt. Sie verursachen auch betr\u00e4chtliche Zerst\u00f6rungen von arch\u00e4ologischen Funden bzw. Befunden sowie Bodendenkm\u00e4lern.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Probleme bleiben bisher weitgehend ungel\u00f6st. Zugleich zeigt sich nun eine weitere Bedrohung des historischen Ortes \u201aH\u00fcrtgenwald\u2018 aus ganz anderer Richtung. Das Ineinandergreifen von Sturmsch\u00e4den, Trockenperioden und dem Befall durch Borkenk\u00e4fer f\u00fchrt zu ausgreifenden Waldsch\u00e4den und insbesondere zu einem rapiden Absterben der Nadelwaldbest\u00e4nde in weiten Teilen Deutschlands &#8211; so auch im H\u00fcrtgenwald.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Befall sterben die B\u00e4ume, es folgen die Abholzung bzw. die Bergung der St\u00e4mme, zur\u00fcck bleiben Freifl\u00e4chen bzw. entwaldete und durch die F\u00e4llarbeiten geradezu verw\u00fcstete Areale, die sich mit schnell wachsenden, undurchdringlichen Str\u00e4uchern und Bodendeckern f\u00fcllen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese \u00f6kologische Katastrophe ist auch eine Katastrophe f\u00fcr den historischen Schauplatz der \u201aSchlacht im H\u00fcrtgenwald\u2018. Zum einen sind Spuren der K\u00e4mpfe an der Bodenoberfl\u00e4che, die zu den wichtigsten Quellen f\u00fcr die Forschung z\u00e4hlen und erst seit wenigen Jahren auch durch eine kritische P\u00e4dagogik f\u00fcr die Gestaltung eines Lernortes an einem solchen Gewaltort erschlossen werden, nun auf dramatische Art und Weise Erosionsprozessen ausgesetzt. Zum anderen aber zerst\u00f6ren die Baumf\u00e4ll- und Bergearbeiten in den betroffenen Waldst\u00fccken gro\u00dffl\u00e4chig und schnell wichtige Befunde und Bodendenkm\u00e4ler &#8211; ein einzigartiges kulturelles Erbe &#8211; unwiederbringlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Zitat von Manfred Wegener findet sich in seinem Aufsatz: Beispielhafte Kriegsrelikte und Erinnerungsobjekte im H\u00fcrtgenwald, in: Karola Fings \/ Frank M\u00f6ller (Hrsg.) H\u00fcrtgenwald \u2013 Perspektiven der Erinnerung, S. 182-202, hier S. 184. Der Text der Interdisziplin\u00e4ren Arbeitsgruppe Konfliktlandschaften der Uni Osnabr\u00fcck findet sich unter: <\/em><a href=\"https:\/\/www.konfliktlandschaften.uni-osnabrueck.de\/iak_working_paper_berichte\/iak_short_report_nr_4.html\"><em>https:\/\/www.konfliktlandschaften.uni-osnabrueck.de\/iak_working_paper_berichte\/iak_short_report_nr_4.html<\/em><\/a><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In the historical-literary hiking trails that Achim Konejung developed a long time ago, cover holes are listed on hiking trail 4 \u201cKall-Trail\u201d, which can be seen on the route from Kalltal to Schmidt and Kommerscheidt. Further cover holes can also be found on the Kall Trail from Vossenack down to the Kall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolfgang Wegener, now retired former scientific employee of the LVR, commented on the cover holes in a book on \u201cH\u00fcrtgenwald &#8211; Perspectives of Remembrance\u201d: \u201cIn the course of the survey, the differences between German and American construction techniques could be clearly determined on the basis of the preserved features of the fortifications, which was helpful in identifying and classifying the relics found. A striking feature of the US field positions is the complete absence of covering trenches. The German foxholes are also circular and dug deep into the ground, while the foxholes are rectangular and much shallower. The different shapes of these foxholes are characteristic. Depending on their size, a distinction is made between one-man and four-man foxholes.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The problem today is that before the complete reformation of the International H\u00fcrtgen Forest March, re-enactors destroyed some of the cover holes on the Kall Trail or even dug them themselves. In doing so, they have violated the German Heritage Act and should have been charged by the municipality of H\u00fcrtgenwald. The University of Osnabr\u00fcck, which carried out a multi-year research project on the H\u00fcrtgenwald conflict landscape, also commented on the \u201cdramatic destruction of ground monuments\u201d:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201cThe fighting extended over an area of more than one hundred square kilometers, leaving behind sites of violence and a landscape in which traces of the war are still inscribed today. As a \u201cbattlefield\u201d, the H\u00fcrtgen Forest also remains characterized by a largely revisionist culture of remembrance, which takes a less differentiated approach to the historical context and is less critical of violence, war and the military.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">It forms the breeding ground for the practices of looters who search for trophies on the &#8218;battlefield&#8216;, the practices of re-enactors who believe they can understand history by re-enacting the violence at the site or participate in the aura of a &#8218;battlefield&#8216;, the great popularity that places such as the grave of Nazi General Walter Model enjoy among militaristic and right-wing extremist visitors to the region, or regular rallies that encourage uncritical and revisionist hero worship.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The latter phenomena primarily fuel a misguided charge of meaning of the &#8218;battlefield&#8216;. Closely interwoven with this, the activities of looters and re-enactor groups have not only become significant factors in a misguided approach to history. They also cause considerable destruction of archaeological finds and features as well as ground monuments.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">These problems remain largely unresolved. At the same time, a further threat to the &#8218;H\u00fcrtgenwald&#8216; historical site is now emerging from a completely different direction. The combination of storm damage, periods of drought and bark beetle infestation is leading to extensive forest damage and, in particular, to the rapid death of coniferous forest stands in large parts of Germany &#8211; including the H\u00fcrtgen Forest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">After the infestation, the trees die, followed by the felling or salvage of the trunks, leaving behind open spaces or deforested areas that are virtually devastated by the felling work and filled with fast-growing, impenetrable shrubs and ground cover.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">This ecological catastrophe is also a catastrophe for the historical site of the &#8218;Battle of the H\u00fcrtgen Forest&#8216;. On the one hand, traces of the battles on the ground surface, which are among the most important sources for research and have only recently been made accessible through critical pedagogy for the design of a place of learning at such a site of violence, are now dramatically exposed to erosion processes. On the other hand, the tree felling and salvage work in the affected areas of forest is rapidly destroying important findings and ground monuments &#8211; a unique cultural heritage &#8211; irretrievably.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The quote from Manfred Wegener can be found in his essay: Beispielhafte Kriegsrelikte und Erinnerungsobjekte im H\u00fcrtgenwald, in: Karola Fings \/ Frank M\u00f6ller (eds.) H\u00fcrtgenwald &#8211; Perspektiven der Erinnerung, pp. 182-202, here p. 184. The text by the Interdisciplinary Working Group on Conflict Landscapes at the University of Osnabr\u00fcck can be found at: https:\/\/www.konfliktlandschaften.uni-osnabrueck.de\/iak_working_paper_berichte\/iak_short_report_nr_4.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Historisch-literarischen Wanderwegen, die Achim Konejung vor l\u00e4ngerer Zeit entwickelt hatte, sind auf dem Wanderweg 4 \u201eKall-Trail\u201c Deckungsl\u00f6cher verzeichnet, die auf der Strecke vom Kalltal nach Schmidt und Kommerscheidt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=664"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1604,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/664\/revisions\/1604"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/xn--hrtgenwaldmarsch-jzb.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}